Pflege-Demo in Bern: Warum viele Pflegefachpersonen genug haben

Demonstration - Schilder werden hochgehalten

Am 22. November versammeln sich in Bern zahlreiche Pflegefachpersonen, Verbände und Unterstützerinnen zu einer Kundgebung auf dem Bundesplatz. Ihr Anliegen: Die Politik soll die Pflegeinitiative endlich vollständig umsetzen. Drei Jahre nach dem deutlichen Volks-Ja beurteilen viele die Fortschritte als zu gering – und die Geduld der Branche schwindet.

Was die Demonstrierenden fordern

Der Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und -männer kritisiert, dass zentrale Elemente der Initiative noch immer nicht umgesetzt wurden. Konkret fehlen verbindliche Personalschlüssel, klare Regelungen für faire Arbeitsbedingungen und Massnahmen, die den Berufsalltag nachhaltig verbessern. In einer Branche, die seit Jahren unter hoher Belastung leidet, stösst das auf wachsenden Unmut.

Unterstützung aus der Politik

Zu den Teilnehmern gehört auch GLP-Nationalrat und diplomierter Pflegefachmann Patrick Hässig. Er versteht die wachsende Ungeduld vieler Pflegender: Rund 200’000 Menschen arbeiten in der Schweiz in der Pflege – und viele von ihnen erwarten, dass die Politik das klare Votum der Bevölkerung nun auch umsetzt.

Hässig macht deutlich, warum das Thema so dringlich ist: Die Anforderungen an die Pflege steigen seit Jahren. Eine alternde Bevölkerung, komplexere Krankheitsbilder und der stetige Personalmangel sorgen für hohen Druck auf das System. Gleichzeitig soll die Pflegeinitiative genau diese Entwicklungen abfedern – durch bessere Rahmenbedingungen und mehr Stabilität im Arbeitsalltag.

Wo die grössten Probleme liegen

Aus Sicht der Pflegefachpersonen bleiben vor allem drei Punkte ungelöst:

  • zu wenig Personal und fehlende verbindliche Stellenschlüssel
  • steigende Fluktuation und Überlastung im Berufsalltag
  • unsichere oder unzureichende Finanzierung wichtiger Massnahmen

Besonders die zunehmende Abwanderung aus dem Beruf bereitet Sorgen: Zwischen 2013 und 2023 stieg die Fluktuationsrate um knapp 30 Prozent. Damit nimmt der Druck auf bestehende Teams weiter zu – ein Teufelskreis, der nur mit strukturellen Verbesserungen durchbrochen werden kann.

Warum Nicht-Handeln langfristig teurer wird

Oft wird die Finanzierung als Grund für langsame politische Prozesse genannt. Doch aus Sicht vieler Fachpersonen führt genau dieses Abwarten zu höheren Kosten: Jede Pflegefachperson, die den Beruf verlässt, verstärkt den Mangel, erhöht die Belastung der Teams und verursacht Rekrutierungs- und Ausbildungskosten. Die Ausgabe, um gute Arbeitsbedingungen zu schaffen, wird daher als Investition betrachtet – nicht als Belastung.

Welche Wirkung sich die Beteiligten von der Demo erhoffen

Die Demonstration soll ein deutliches Signal senden: Die Pflege steht hinter dem Volksentscheid und erwartet dessen Umsetzung. Gleichzeitig will die Kundgebung die gesellschaftliche und politische Bedeutung der Pflege sichtbar machen. Dass die Bevölkerung laut Umfragen weiterhin grossen Rückhalt zeigt, gibt den Teilnehmenden zusätzlichen Rückwind.

© 2026 KSK Personal AG