Wenn der Druck nachlässt: Wie sich der Schweizer Arbeitsmarkt verändert

Lange galt der Fachkräftemangel als eines der drängendsten Probleme der Schweizer Wirtschaft. Doch laut dem neuen Fachkräftemangel‑Index des Personaldienstleisters Adecco und der Universität Zürich zeichnet sich eine bemerkenswerte Entwicklung ab: Zum zweiten Mal in Folge finden Unternehmen einfacher geeignetes Personal. Eine Entspannung – aber keine Entwarnung.


Wo der Mangel nachlässt

Am stärksten zeigt sich die Entspannung in jenen Berufsfeldern, die direkt von Automatisierung und künstlicher Intelligenz beeinflusst werden.
Dazu gehören:

  • kaufmännische Berufe
  • Informatik
  • polizeiliche Ermittlungsberufe

In einigen dieser Bereiche dreht sich die Lage bereits um: Die Zahl der Stellensuchenden übersteigt die Zahl der offenen Stellen. Die digitale Transformation eröffnet neue Möglichkeiten – doch sie verschiebt auch Arbeitsrealitäten.


Gesundheitswesen: Das Zentrum des Mangels

Trotz der insgesamt positiveren Tendenz bleibt die Gesundheitsbranche das Epizentrum des Fachkräftemangels.
Besonders betroffen sind:

  • diplomierte Pflegefachpersonen
  • Physiotherapeutinnen und ‑therapeuten

Auch Bau, Elektrotechnik und Maschinenindustrie kämpfen weiterhin mit Engpässen. Poliere, Bauführerinnen und Elektrikerinnen gehören zu den am schwersten zu besetzenden Rollen.

Top‑4 der Berufsgruppen mit grösstem Mangel (2025)

  1. Spezialist*innen im Gesundheitswesen
  2. Bauführer*innen, Poliere und Produktionsleitende
  3. Ingenieurfachkräfte
  4. Elektriker*innen und Elektroniker

Ein Markt im Schatten der Weltpolitik

Die Gründe für die Entspannung liegen nicht in einem plötzlichen Überfluss an Fachleuten – sondern in der wirtschaftlichen Abkühlung.
Der Zollkonflikt zwischen den USA und der Schweiz, geopolitische Unsicherheiten und sinkende Exportzahlen verlangsamen die Konjunktur. Weniger Aufträge bedeuten: weniger Bedarf nach Fachkräften.

Besonders sensibel reagieren administrative und digitale Berufsfelder. Hier greifen globale Trends und Automatisierung schneller ein – mit spürbaren Folgen für den Arbeitsmarkt.


Regionale Unterschiede

Die Entspannung verläuft nicht gleichmässig durchs Land:

  • Zürich und die Nordwestschweiz zeigen die stärkste relative Entlastung – doch bleibt der Mangel dort weiterhin hoch.
  • Zentralschweiz: leichte Verbesserung, aber weiterhin angespannt.
  • Tessin und Romandie: geringerer Fachkräftemangel insgesamt.
  • Ostschweiz: weiter stark betroffen, kaum Entspannung sichtbar.

Die Karte des Mangels verschiebt sich – aber sie bleibt geprägt von deutlichen regionalen Kontrasten.


Zwischen Aufbruch und Unsicherheit

Der Schweizer Arbeitsmarkt befindet sich in einer Übergangsphase. Die Entspannung mag den Druck vorübergehend mindern – doch sie entsteht aus einer Phase ökonomischer Unsicherheit. Gleichzeitig beschleunigen technologische Entwicklungen die Transformation ganzer Berufsbilder.

Für die Schweiz bedeutet das:
Der Fachkräftemangel ist nicht besiegt. Er verändert nur seine Form.

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